Liebe Special Needs Community,
die angekündigten Sparpläne der Bundesregierung im Bereich der Pflegeversicherung sorgen aktuell bei vielen pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen für große Verunsicherung und Angst. Zahlreiche Betroffene befürchten Einschnitte bei dringend benötigten Leistungen und eine weitere Verschlechterung ihrer ohnehin oft herausfordernden Lebenssituation.
Auf Social Media werden bereits viele Stimmen laut, die auf die Folgen dieser Entwicklungen aufmerksam machen. Doch auch von zu Hause aus kann man aktiv werden und persönliche Anliegen direkt an die politischen Entscheidungsträger herantragen.
Im Anhang finden Sie eine Vorlage für einen offenen Brief an die Politik. Sie können diesen gerne mit Ihren persönlichen Erfahrungen, Sorgen und Forderungen ergänzen. Gerade individuelle Berichte machen deutlich, welche Auswirkungen politische Entscheidungen auf das tägliche Leben von Betroffenen und ihren Familien haben.
Anschließend können Sie den Brief an die Abgeordneten eures Wahlkreises senden. Die Kontaktdaten Ihrer zuständigen Bundestagsabgeordneten finden Sie auf der Homepage des Deutschen Bundestages unter der Rubrik „Abgeordnete“: https://www.bundestag.de/abgeordnete
Jede einzelne Stimme zählt. Gemeinsam können wir sichtbar machen, wie wichtig eine verlässliche und bedarfsgerechte Unterstützung für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen ist.
Bitte teilen Sie diese Information auch mit anderen Betroffenen, Familien, Freunden und Unterstützern.
Lassen Sie uns gemeinsam für unsere Rechte und eine starke Pflege eintreten.
Liebe Grüße Ihr Team der
Kanzlei Special Needs
OFFENER BRIEF
Sehr geehrte / r
mit großer Besorgnis habe ich durch die Presse von den Reformplänen zur Pflegekasse von der Gesundheitsministerin Frau Nina Warken erfahren.
Im Raum stehen bei diesen geplanten Gesetzesänderungen Kürzungen im Bereich der Pflegekasse, Änderungen bei Entlastungsbetrag und Verhinderungspflege, die komplexere (Nicht-)Einstufung in Pflegegrade sowie die massive Kürzung von Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige.
Ich selber pflege. /
Ich selber bin pflegebedürftig. /
Ich arbeite im Bereich Pflege. /
Diese geplanten Änderungen halte ich für sehr problematisch und sie machen mir große Sorgen.
Trotz Bedarf wird es einem jetzt schon nicht leicht gemacht, korrekt in einen Pflegegrad eingestuft zu werden. Hiermit sind viele Hürden verbunden.
Entlastungsleistungen und Verhinderungspflege sind zwingend notwendige Leistungen für Menschen, die pflegen und die gepflegt werden. Ohne diese Leistungen kann in vielen Fällen die Pflege nicht auf Dauer in der Häuslichkeit durchgeführt werden. Das wird perspektivisch wiederum viele Pflegende erkranken lassen und im schlimmsten Fall zu mehr Pflegebedürftigkeit bei pflegenden Angehörigen selbst führen. Eine Kostensteigerung im Bereich der Sozialhilfe ist absehbar, weil immer mehr Menschen in Armut enden werden.
Auch die Kürzung der Rentenbeiträge kann nicht hingenommen werden und führt zu maximaler Ungerechtigkeit und weiteren Bedarfen, die durch die Sozialhilfe werden aufgefangen werden müssen. Altersarmut betrifft oftmals vor allem Frauen, gerade aber auch im Bereich der pflegenden Angehörigen ist dies ein großes Thema. Die häusliche Pflege sorgt dafür, dass man nur wenig oder nicht arbeiten kann – wie soll man so vorsorgen? Ich verweise darauf, dass ein Großteil der pflegebedürftigen Menschen in der Häuslichkeit gepflegt wird. Die Pflege in Institutionen ist deutlich teurer und pflegende Angehörige entlasten die Staatskasse jetzt schon, wenn sie zuhause pflegen. Damit wirkt man auch dem massiven Mangel an Pflegefachkräften entgegen. Wenn jetzt auch noch die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige um 30 % gekürzt werden sollen, wird man sich zukünftig die häusliche Pflege kaum noch leisten können – und das Problem wird einfach auf dem Rücken von pflegenden Angehörigen – vor allem Frauen - verlagert.
Ich bitte Sie eindringlich darum, diese massiven und ungerechten Kürzungen zu verhindern und sich aktiv dagegen einzusetzen. Denn für die betroffenen Personen geht es hier um existenzielle Nöte.
Bei Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen